Aggressivität an sich ist für viele Tiere wichtig, um zu überleben. Daher sind Drohgebärden gegenüber anderen Hunden durchaus normal und somit akzeptabel. Übertreibt ein Hund jedoch, muss die Ursache gefunden und an einer Lösung gearbeitet werden.
Bei Wildtieren ist aggressives Verhalten völlig normal. Es ist mitentscheidend dafür, wer überlebt. Nur wer sich durchsetzen kann, bekommt genügend Futter ab, erhält einen guten Schlafplatz und kann seine Gene weitergeben. Gegenüber Artgenossen wird jedoch fast immer darauf geachtet, diese nicht unnötig zu verletzen. Erst einmal wird nur gedroht. Dieses Verhalten genügt oftmals, um einen Gegner verständlich zu machen, wer hier das Sagen hat bzw. was man sich vom anderen wünscht.
Bei Hunden ist dieses Verhalten auch nach langer Domestikation noch vorhanden. Beim Aufeinandertreffen kommt es oftmals zu Drohgebärden wie Knurren, Hochziehen der Lefzen, Fixieren oder Imponiergehabe. Dieses Drohverhalten sollte auf keinen Fall bestraft werden. Es handelt sich hierbei um eine Warnung, um eine wirklich aggressive Auseinandersetzung mit einem anderen Hund zu vermeiden. Werden diese Warnsignale unterbunden, könnte ein Hund beim nächsten Mal sofort angreifen.
Es ist zu unterscheiden, ob ein Hund lediglich einem anderen Hund droht und ihm dadurch zu verstehen geben möchte, dass er eine gewisse Distanz zu ihm einhalten soll, oder ob er wirklich aggressiv ist und die Gefahr des Zubeißens besteht. Ist zweiteres der Fall, gilt es, die Ursache zu finden. In Frage kommt unter anderem:
Es gibt verschiedene Formen von aggressivem Verhalten. Um dieses frühzeitig erkennen und entsprechend eingreifen zu können, sollte der Hund stets aufmerksam beobachtet werden. Folgende Anzeichen können Aggressionsverhalten zugeordnet werden:
Wichtig ist, den Grund für das aggressive Verhalten herauszufinden, denn davon hängt ab, was zu tun ist. Möglicherweise sieht der Hund Sie nicht als Rudelführer an und fühlt sich daher gezwungen, bestimmte Situationen selbst klären zu müssen. In diesem Fall sollten Sie ihm durch Ihr Auftreten und konsequente Erziehung deutlich machen, dass Sie die Führung haben und er sich „entspannen kann“. Bei Rüden kann eventuell auch eine Kastration hilfreich sein. Doch diese ist keinesfalls ein Allheilmittel. Sie beeinflusst lediglich das Verhalten, welches im Zusammenhang mit dem Sexualtrieb steht. Mangelnde Erziehung oder eine fehlende Rudelstruktur kann dadurch nicht ausgeglichen werden.
Möglich kann auch sein, dass der Hund zu wenig Erfahrung im Umgang mit anderen Hunden hat. Wenn Sie keine Hundeschule besucht haben und ihn nur selten bis gar nicht mit anderen Hunden spielen lassen, dann weiß er nicht ausreichend, wie man sich Artgenossen gegenüber verhält und wie diese einzuschätzen sind. In diesem Fall wäre es sinnvoll, sich nach einer guten Hundeschule umzusehen. Dies gilt auch dann, wenn Sie ratlos sind, was die Ursache für das aggressive Verhalten sein könnte. Lassen Sie sich helfen, bevor die Situation möglicherweise noch schlimmer wird. Ein Blick von außen kann sehr hilfreich sein. Vielleicht können auch erfahrene Hundefreunde Tipps geben, sonst machen Sie sich auf die Suche nach einem Hundepsychologen oder Hundetrainer, der sich mit aggressiven Hunden auskennt.
Wichtig ist auch, den Hund nicht absichtlich immer wieder in Stresssituationen zu bringen in der Hoffnung, dass er sich mit der Zeit daran gewöhnt. Ein solches Vorgehen muss sehr behutsam erfolgen. Bemühen Sie sich, ein mögliches Aggressionsverhalten frühzeitig zu erkennen und den Hund so erst gar nicht in eine kritische Situation zu bringen. Besprechen Sie mit einem Experten Ihr individuelles Problem und arbeiten Sie gemeinsam einen auf die speziellen Probleme Ihres Hundes abgestimmten Trainingsplan aus. Hierbei sollten Sie Geduld mitbringen, denn aggressives Verhalten ist nicht von heute auf morgen abzustellen. Der erste Schritt zur Besserung ist jedoch gemacht, wenn Sie sich des Problems bewusst sind und gemeinsam mit Ihrem Hund aktiv und konsequent an einer Lösung arbeiten.