Katzen im Freigang können ihre natürlichen Instinkte wie Anschleichen und Jagen intensiver ausleben als Wohnungskatzen. Freigang sollte jedoch erst nach einer ausreichend langen Eingewöhnungsphase und in langsamen Schritten erfolgen.
Wann darf eine Katze zum ersten Mal ins Freie?
Wenn Sie ein Kitten aufgenommen haben, sollte dies in den ersten Monaten keinen Freigang erhalten. Dies sollte frühestens mit acht Monaten erfolgen. Manche Katzenhalter warten sogar, bis die Katze beinahe ein Jahr alt ist.
Auch bei Aufnahme eines erwachsenen Tiers oder wenn Sie gerade umgezogen sind, empfiehlt es sich, mit dem Freigang der Katze einige Zeit zu warten. Unangenehm kann die Situation werden, wenn die Katze bisher ein Freigänger war und jetzt nicht mehr raus darf. Das kann zu großem Unverständnis und entsprechenden Reaktionen führen. Ist der Freigang wieder geplant, sollte dieser einige Zeit aufgeschoben und das Warten durch abwechslungsreiche Spielmöglichkeiten in den Hintergrund gedrängt werden. Erst wenn man das Gefühl hat, dass die Katze ihr neues Zuhause wirklich angenommen hat, sollte an Freigang gedacht werden. Im Allgemeinen dauert dies mindestens drei bis vier Wochen.
Katzen lieben es, sich anzuschleichen und Beute zu machen. Das kann mit Stoffmäuschen oder einem Artgenossen zwar auch in der Wohnung umgesetzt werden, aber spannender ist es sicherlich draußen. Hier stecken Katzen ein Revier für sich ab, kontrollieren dies täglich, wissen wo es etwas zu erbeuten gibt, wo Freund oder Feind leben und an welchen Orten gelegentlich ein Schälchen für sie aufgestellt wird.
Täglich müssen sie mit allem rechnen und daher mit wachen Sinnen durch die Gegend streifen. Dies bietet nicht nur eine perfekte geistige sondern auch eine physische Auslastung. Freigänger-Katzen sind daher seltener übergewichtig und leben somit gesünder. Doch trotz der vielen Vorteile dürfen die Nachteile nicht vergessen werden. Dazu gehören die Gefahren des Straßenverkehrs und der Ansteckung bei Artgenossen ebenso wie Revierkämpfe, ausgelegte Giftköder, das Verschwinden der Katze oder der Abschuss durch einen Jäger.
Bevor Sie Ihrer Katze das erste Mal Freigang gewähren, sollten Sie mehrere Punkte durchgehen:
Wenn der erste Freigang ansteht, sollte die Katze weder satt sein, noch sollte es bereits früher Abend sein. Geben Sie der Katze morgens weniger als üblich zu fressen und starten Sie im Laufe des Tages zum ersten gemeinsamen Ausflug. Halten Sie Leckerlis bereit und verhalten Sie sich ruhig und entspannt. Locken Sie sie nach draußen, reden Sie mit Ihrer Katze und bleiben Sie auf der Terasse oder in der Nähe des Eingangs Ihrer Wohnung stehen. Drängen Sie sie nicht, aber rennen Sie ihr auch nicht hinterher, wenn sie sich plötzlich der Grundstücksgrenze nähert. Alles sollte harmonisch ablaufen, um der Katze Sicherheit zu geben. Folgen Sie ihr langsam, zeigen Sie ihr die Umgebung und warten Sie ab. Wenn sie nach ein paar Minuten wieder rein möchte, freuen Sie sich darüber und belohnen sie. Sie soll wissen, dass sie stets willkommen ist.
Die ersten Ausflüge sind üblicherweise relativ kurz, denn Katzen weiten ihr Revier erst mit der Zeit langsam aus. Zu Beginn sollten Sie es weiterhin so handhaben, dass die Katze nur mit einem kleinen Snack im Magen nach draußen darf. Umso wahrscheinlicher ist es, dass der Hunger sie nach einer gewissen Zeit automatisch wieder nach Hause treibt. Ähnliches gilt übrigens, wenn es leicht nieselt. Das Wetter darf daher durchaus auch durchwachsen sein.
Wie oft die Katze raus möchte und wie lange ihre Runden sind, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Falls dies mit Ihrem Tagesablauf nur schwer zu koordinieren ist, können Sie sich die Anschaffung einer Katzenklappe überlegen. Somit sind sie nicht nur den Job als Türsteher los, sondern je nach Modell können Sie auch einstellen, dass nur Ihre Katze rein und raus darf und wann die Klappe (am Abend) geschlossen bleibt. Dies ermöglicht ein Lesegerät, das den Chip Ihrer Katze erkennt. Sehr zu empfehlen ist eine derartige Katzenklappe, wenn fremde Katzen nicht davor zurückschrecken, in das Reich Ihrers Stubentigers einzudringen.
Tipp:
Am besten gewöhnen Sie die Katze von Anfang an daran, dass es Freigang nur tagsüber gibt und abends die Tür oder die Klappe geschlossen bleiben. Somit verringern sie nicht nur die Gefahr, dass im Dunkeln etwas passiert, sondern sie können auch beruhigter schlafen.
Der Radius, in dem sich Freigänger-Katzen bewegen, ist sehr unterschiedlich. Manche entfernen sich kaum mehr als 100 Meter, während andere regelmäßig bis zu einem Kilometer und mehr umherstreifen. Abhängig ist dies von mehreren Faktoren: In einer belebten Stadt mit vielen „Hindernissen“ ist der Radius üblicherweise kleiner als auf dem Land. Auch kommt es ganz darauf an, ob es sich um eine (freiheitsverwöhnte) Katze vom Bauernhof oder eine Rassekatze handelt.
Großen Einfluss hat auch, ob die Katzekastriert ist oder nicht. Ein kastriertes Tier hat im Allgemeinen ein kleineres Revier und lässt sich auf deutlich weniger Auseinandersetzungen ein. Sowohl aus diesem Grund als auch um unerwünschten Nachwuchs zu vermeiden, sollten alle Freigänger kastriert sein.
Katzen haben tief verborgene Instinkte, von denen sie manche in der Natur besser ausleben können als in der Wohnung. Doch deshalb kann man noch lange nicht sagen, dass alle glücklicher und gesünder sind. Nicht selten ist das Gegenteil der Fall! Katzen müssen ihr Revier verteidigen und können dabei von anderen Katzen angegriffen, verletzt oder verjagt werden. Diese Auseinandersetzungen bergen auch immer die Gefahr, dass Bakterien, Viren oder Parasiten übertragen werden und so Krankheiten verursacht werden können.
Zudem werden unzählige Katzen jedes Jahr von Autos überfahren oder Jägern erschossen. So schön das Leben als Freigänger sein kann, die Gefahren sind vielfältig, was sich sehr eindrücklich in deren Lebenserwartung zeigt: Während Wohnungskatzen durchschnittlich ein Alter von 15 Jahren erreichen, liegt der Schnitt bei Katzen mit Freigang nur bei 10 Jahren.